Paving News

Wie weit sind Bund, Länder und Kommunen in Sachen BIM?

BMVI, ADAC, DVI, DAV
Wie reagieren Bund, Länder und Kommunen auf den digitalen Wandel der Bauwirtschaft und wie nutzen sie selbst die Möglichkeiten, die digitales Planen, Bauen und Betreiben bieten?

Dies waren Fragen beim 22. buildingSMART-Forum in Berlin, die von Lothar Fehn Krestas vom Bundesbauministerium, von Petra Rinnenburger von der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln und Dr. Thomas Wilk vom Ministerium für Heimat, Kommunales, Bau und Gleichstellung Nordrhein-Westfalen sowie Prof. Rasso Steinmann, Vorstandsvorsitzender buildingSMART Deutschland, diskutiert wurden. Von Seiten des Bundes wurde klargestellt, dass alles getan werde, um Monopolisierungen rund um das digitale Planen, Bauen und Betreiben zu verhindern.

Petra Rinnenburger von der Gebäudewirtschaft der Stadt Köln – seit drei Jahren bereits Mitglied bei buildingSMART – sieht sich durch Vorgaben von Bund und Land in ihrer Arbeit und ihrem Ehrgeiz bestärkt und bestätigt. „Wir machen das jetzt einfach“, so Petra Rinnenburger, die für die Stadt Köln mit dem Erweiterungs- und Sanierungsprojekt für eine Schule auch ein „Echt-Projekt“ aufgesetzt haben. „Wir üben jetzt, die Standards vorzugeben,“ so Petra Rinnenburger, die davon berichten konnte, dass sich „der Markt freut.“ Architekten, Ingenieure, Bauunternehmer seien mit dabei.  Sie sieht besonders für die Bewirtschaftung des Gebäudebestands der Stadt Köln Riesenchancen und an der Digitalisierung des Bestandes arbeite sie mit ihrem Team konsequent. Dennoch wisse sie, dass ein gewisser Bereich „analog“ bleibt. Gerade kleine Betriebe und Handwerker könnten häufig noch nicht auf das digitale Format etwa bei Ausschreibungen reagieren. Hier seien die Kammern und Verbände weiterhin gefordert, Hilfestellungen bei der digitalen Transformation zu leisten, auch die Stadt Köln selbst biete entsprechende Weiterbildungsmöglichkeiten an.

Was in Köln wegen der für Fachkräfte attraktiven Stadt und beispielsweise einer exzellenten Technischen Hochschule noch recht gut gelinge, ist jedoch für kleinere Kommunen eine echte Herausforderung, stellte Dr. Thomas Wilk von der Landesregierung Nordrhein-Westfalen dar. So gebe es 212 untere Baubehörden im Land, Köln sei davon die größte und mit ersten Pilotprojekten auch schon relativ weit. Dennoch gehe das Land mit großem Ehrgeiz in die Digitalisierung und möchte zum führenden BIM-Land in Deutschland werden. Das zweite große Bau-Digitalisierungsprojekt in NRW ist der digitale Bauantrag – „und zwar durchgängig“, wie Thomas Wilk betonte. Um auch hier den Kommunen die nötige Unterstützung zukommen zu lassen, entwickele man derzeit einen Leitfaden, der von A bis Z aufzeigen soll, wie ein digitales Baugenehmigungsverfahren ablaufen könne. Auch ein eigenes BIM-Kompetenz-Center ist im Land gegründet worden, „um die hervorragende Arbeit, die es durch das BIM-Cluster Nordrhein-Westfalen schon gibt, noch professioneller zu gestalten.“

Prof. Rasso Steinmann, Vorstandsvorsitzender von buildingSMART, berichtete, wie weit teilweise schon andere Länder und Weltregionen beim digitalen Planen, Bauen und Betreiben seien. Zwar habe Deutschland etwa durch den GAEB durchaus einen wichtigen Schritt gemacht, den viele andere Länder nicht gemacht hatten, so etwa das Vereinigte Königreich. Wenn er in andere Länder, wie Singapur oder Korea schaue, so sind diese Länder schon deutlich weiter, auch und gerade im Bereich der digitalen Bauakte. Auch Themen, wie die Weiterentwicklung von Berufsbildern und Regularien von Seiten der öffentlichen Hand sind dort weiterentwickelt als bei uns in Deutschland. Rasso Steinmann wünschte sich, dass auch Vertreter der deutschen öffentlichen Hand sich im Regulatory Room von buildingSMART International beteiligten, um sich mit anderen Landesvertretern auszutauschen, wie weit manche andere sind und wo auch Deutschland vielleicht schon in einer guten Position ist. Außerdem plädierte Rasso Steinmann für mehr öffentliche Finanzierung und Unterstützung für die Zuarbeit in der Regelsetzung, die in Deutschland mehrheitlich ehrenamtlich organisiert ist. Dies wäre auch notwendig, um auf internationaler Ebene stärker Einfluss nehmen zu können. So unterstütze beispielsweise die Regierung Norwegens seine Experten großzügig und schicke etwa zum CEN bis zu fünf Mal mehr Experten als Deutschland, wo eine derartige Unterstützung schlicht fehle.

Lothar Fehn Krestas vom Bundesbauministerium wies zu diesem Punkt auf mögliche Unterstützung aus dem Programm Zukunft Bau hin, das auch ein Segment zur Digitalisierung habe und wo durch Beantragung eine Förderung möglich sei. Zum Stand von BIM in Deutschland äußerte Fehn Krestas die Meinung, dass „wir ein ganzes Stück weiter sind. Wenn ich mich mit Planern unterhalte, dann haben die alle noch nicht den Bleistift endgültig weggeschmissen aber alle sind doch in ganz vielen Fällen eingestiegen in die Thematik.“ Als öffentlicher Bauherr „dürfen wir auch nicht etwas ausschreiben, was der Markt noch nicht liefern kann“. Entscheidend sei zudem, in welcher Tiefe BIM verstanden werde. „Der entscheidende Punkt wird sein, verlangen wir objektorientierte Planung?“ Die Frage sei nun, „sind wir an dem Punkt und haben wir genügend Marktteilnehmer, die das liefern können?“ Er sehe den Markt mittlerweile an einer Stelle „wo wir diesem Punkt immer näher kommen.“ Sicherlich nicht für alle Gewerke und jedes Projekt, jedoch werde man bei gewissen Größenordnungen schon sehr bald an diesem Punkt sein. Ihn treibe eine ganz andere Frage um und das hänge unmittelbar mit open BIM und IFC und ähnlichem zusammen: „Wenn wir zulassen, dass sich die Softwareindustrie um das Bauen herum monopolisiert, dann ist die Wertschöpfung – ich sage es mal brutal – weg. Es mag lokal immer wieder schick sein, sich auf ein durchgängiges System einzulassen, aber als Wertschöpfungskette müssen wir uns das verdammt gut überlegen. Ich kann für den Bund sagen, wir werden alles dafür einsetzen, dass das verhindert wird.“

Quelle: buildingSMART


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