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Zweiwegebagger erobern Nischenmarkt

Bagger Baumaschine
Zweiwegebagger: Liebherr und Caterpillar erobern einen Nischenmarkt

Die Bereiche Gleisbau und Gleiswartung sind hoch spezialisierte Sektoren, für die speziell angepasste Maschinen benötigt werden. Bislang gibt es wenige Baumaschinen, die von vorneherein für den Gleisbetrieb konzipiert sind.

Doch einige Neuerscheinungen der letzten Jahre lassen darauf schließen, dass die “klassischen” Hersteller beginnen, sich mehr und mehr dafür zu interessieren.  Bagger, die sowohl mit Gummireifen für den Betrieb auf der Straße als auch mit einem Fahrwerk für den Schienenverkehr ausgestattet sind, werden Zweiwegebagger genannt. Sie stellen eine Nische innerhalb der großen Baggerfamilie dar, die nur von Spezialisten genutzt wird. In den meisten Fällen erwirbt eine auf solche Spezialeinsätze spezialisierte Firma einen Standardbagger oder -kran, beispielsweise einen Mobilbagger mit Gummireifen, und lässt eine Werkstatt die notwendigen Anpassungen vornehmen, damit diese Maschine auch auf Metallschienen fahren kann.

Auch einige große Maschinenhersteller wie Sennebogen und Atlas konnten sich mit Erfolg in der Nische der Maschinen für den Schienenverkehr behaupten. Doch die meisten großen Hersteller haben es als nicht lohnend erachtet, solche Spezialmaschinen zu entwickeln, die nie in großen Stückzahlen verkauft werden können. Sie konzentrieren sich lieber auf die Maschinen mit größeren Absatzmärkten.

Allerdings gibt es zwei Ausnahmen, die zeigen, dass auch Erstausrüster anfangen, sich für Spezialmaschinen für Gleisarbeiten zu interessieren, nämlich Liebherr und neuerdings auch Caterpillar.

Nachdem Liebherr auf der Bauma 2013 einen Prototypen vorgestellt hatte, ging der A922 Rail Litronic als Zweiwegebagger für den Schienen- und Straßenverkehr in Serienproduktion. Er kann je nach Einsatzbedingungen mit einem Normalspur-Schienenfahrwerk (1,435 mm), einem Schienen-Unterwagen für Breitspurbahnen oder mit einem Reibrad für Schmalspurbahnen ausgestattet werden. Das Schienenfahrwerk ist an beiden Seiten des Unterwagens angebracht. Wird der Bagger auf die Gleise gefahren, so werden die Reifen mit Hilfe des Schienenfahrwerks auf Gleishöhe gebracht und die inneren Reifen der Zwillingsbereifung übernehmen den Fahrantrieb auf dem Gleis. Der A922 Rail kann optional mit einer zusätzlichen Achse (“Add-on-Achse”) ausgestattet werden, die an das hintere Schienenfahrwerk angebaut werden kann. Ist der Bagger so als Dreiachser ausgerüstet, ist er auch in voller Ausstattung in ganz Deutschland sowie auch in anderen Ländern mit restriktiven Bestimmungen für den Straßenverkehr zugelassen.

Baumaschinen Liebherr
Liebherr Bagger A922

Der A922 hat ein Einsatzgewicht zwischen 19,9 und 22,8 t und
wird von einem Liebherr-Dieselmotor D834 mit einer Leistung von Liebherr Bagger 110 kW (150 PS) angetrieben, der die Abgasstufe Tier IIIB erfüllt. Er kann mit speziellen Arbeitsgeräten wie Rammen, Stopfgeräten und Mulchern ausgestattet werden, was ihn zu einer sehr vielfältigen Maschine auch an schwer erreichbaren Gleisabschnitten macht. Für schnelleres, unkompliziertes Arbeiten kann der A922 Rail mit dem Liebherr-Schnellwechselsystem SW33 ausgestattet werden, was gerade bei Arbeiten auf Gleisen mit laufendem Zugbetrieb ein erheblicher Vorteil sein kann.

Auf der diesjährigen Bauma in München hat Caterpillar eine ganz ähnliche Maschine enthüllt: den Prototypen des Cat M323F Zweiwegebaggers mit einem 112 kW starken Cat C4.4 Motor und einem Einsatzgewicht von 22,9 t. Die endgültige Version wird in den nächsten Monaten erhältlich sein, sobald das Modell alle notwendigen Zulassungen in den Zielländern Deutschland, Frankreich und Großbritannien erhalten hat.

Caterpillar Baumaschinen
CAT Bagger Cat M323 F

“Der M323F wird die strenge europäische Bahnnorm EN15746 erfüllen und seinen Kunden durch außergewöhnliche Fahrstabilität, niedrige Betriebskosten, einfache Bedienung und Wartung sowie eine komfortable und sichere Fahrerkabine deutliche Vorteile bieten”, so Caterpillar.

Der Caterpillar M323F ist an beiden Gleisachsen mit einem
hydrostatischen Schienen-Radantrieb ausgestattet, um die Reifen Caterpillar Baggerbeim Fahren auf den Schienen zu schonen. Alle Gleisräder verfügen über Scheibenbremsen für einen sicheren, präzisen Bremsvorgang. So kann der M323F eine maximale Geschwindigkeit von 20 km/h auf dem Gleis erreichen. Beim Aufbau des Zweiwegebaggers hat Cat Wert auf die Kompaktheit der Maschine gelegt. Es handelt sich um einen Bagger mit Kurzheckbauweise (Heckausladung: 1575 mm), dank derer der Verkehr auf gegen -überliegenden Gleisen nicht behindert wird, wenn der Bagger auf einem Gleis im Einsatz ist.

Man könnte meinen, dass derart technisch ausgefeilte Schienenfahrzeuge von Firmen wie Liebherr und Caterpillar den von kleinen, lokalen Werkstätten umgerüsteten Maschinen überlegen sein müssten. Doch so einfach ist es nicht. Denn die lokalen Werkstätten kennen und verstehen den Kunden, seine Bedürfnisse und sein Arbeitsumfeld besser als die großen internationalen Konzerne. Werden Bagger speziell auf Kundenanfrage umgerüstet, so werden die Anpassungen gezielt im Hinblick auf dessen Einsatzgebiet vorgenommen. Demgegenüber versuchen Caterpillar und Liebherr sicherlich, allen Ansprüchen zugleich gerecht zu werden. Da der Zielmarkt nur sehr klein ist, sollen die Maschinen so universell einsetzbar wie möglich sein, um nennenswerte Verkaufszahlen zu erzielen.

Interessant wäre es, von Gleisbaubetrieben zu hören, ob die Konzerne ihrer Ansicht nach ihr Ziel erreicht haben, oder ob sie weiterhin die für sie persönlich umgerüsteten Maschinen bevorzugen, mit denen sie immer schon gearbeitet haben.


Quelle Text & Bild: MB Line France

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